Was wäre wenn? Und wie würde es klingen? Und überhaupt – warum liegt Hagen in Westfalen und nicht an der Nordsee? Was wäre wenn Leonard Cohen nicht in Montreal sondern in Hagen geboren wäre? Wenn Hagen nicht im südöstlichen Ruhrgebiet liegen würde, sondern an den Gestaden einer der sieben Weltmeere. Klar, dann wären Songs wie „Das Ende vom Lied“ oder „Das Schwarze Schiff“ das natürlich Ergebnis. Lieder voll bittersüßer Melancholie, die vom Überleben auf hoher See erzählen.
Stefan Kleinkrieg ist seit 37 Jahren das kreative Mastermind von EXTRABREIT, hat die Band durch die Stürme der Neuen Deutschen Welle gesteuert, ist gekentert, so manches Mal, hat weiter gemacht, die Seinen um sich geschart, die Segel gesetzt, um zu neuen Ufern aufzubrechen. Als Solokünstler hat er in den EXTRABREIT - Pausen, schon ein paar Soloplatten gemacht, aber das hier ist anders. Jetzt erfindet er sich noch einmal neu. Als Singer / Songwriter, in dessen Stimmbändern das Auf und Ab im Rockbusiness, die Hoffnung, die Siege, die Niederlagen tief eingekerbt sind. Es gibt nicht viele Stimmen deutschsprachiger Musiker, die in Würde gealtert sind, die man wiedererkennt. Udo Lindenberg, klar, Sven Regener von Element Of Crime – aber sonst scheint hierzulande mit der Jugend auch die Stimme des Musikers zu verschwinden. Hildegard Knef hätten wir fast vergessen, aber mit der haben EXTRABREIT ja schon Anfang der 90er die Welt gerockt.
Hüte dich vorm Mondlicht in einer September-Nacht / Und wenn das schwarze Schiff kommt gib acht!

„Das Schwarze Schiff“ ist ein Song, der diesen neuen, alten, anderen Stefan Kleinkrieg am besten beschreibt. Ein Piratenlied, Überlebenslied - dabei steht Stefan Kleinkrieg Burt Lancaster in „Der Rote Korsar“ deutlich näher als Johnny Depp in der „Fluch der Karibik“. Wobei so ein bisschen Captain Jack Sparrow auch in dem xy-Jährigen Hagener schlummert. In das „Ende vom Lied“ verlagert sich die Weite des Meeres in den Binnensee einer zerbrechenden Liebe. Auch das kann Kleinkrieg – erzählen, welche Wunden sich eingraben haben - mit und durch die Zeit. Der spielerische Umgang mit dem Alkohol in „Traurig“, ist vielleicht nicht gerade politisch korrekt, aber wenn dabei die Sonne scheint…

Text: Peter Scharf